Schweizer sind Weltklasse in der KI-Anwendung

Sie bringt hierzulande die KI-Tools von Microsoft in die Unternehmen. Kein Wunder also ist Stefanie Thommen selber begeisterte KI-Nutzerin. Und sie erklärt uns, was Microsoft alles für die Datensicherheit unternimmt.

Die Schweiz hat sich zu einem internationalen KI-Hub entwickelt. Giganten wie OpenAI oder Anthropic haben hier Büros eröffnet, andere Tech-Konzerne sind schon längst hier. Die Forschung wird hier in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen vorangetrieben.

Mit von der Partie ist längst auch Microsoft. Der Softwaregigant hat frühzeitig in Schweizer Rechenzentren investiert und setzt auf Cloudspeicherplatz «made in Switzerland». Zunehmend werden diese Clouds auch für KI-basierte Anwendungen genutzt, etwa den «Copilot», die mit Microsoft 365 auf den Markt und in unsere Büros gelangen.

Stefanie Thommen leitet hierzulande die Abteilung Modern Work und verantwortet marktseitig die Produktepalette von Microsoft 365. Ursprünglich hat sie Tourismus an der Fachhochschule Graubünden studiert. Zur Marketingabteilung von Microsoft stiess sie vor knapp 10 Jahren, während ihres Wirtschaftsstudiums an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Im Gespräch verrät sie, wozu sie selber KI-Programme einsetzt – und sie nimmt Stellung zum Thema Datensicherheit.

 

Wie oft nutzen Sie selber KI-Anwendungen?

Jeden Tag mehrfach.

 

Wofür?

Das beginnt damit, eine E-Mail gut auszuformulieren, eignet sich aber auch für Übersetzungen und die Kommunikation auf Englisch oder Französisch. Die Technologie hilft mir auch bei kreativen Anwendungen, etwa im Marketing, auch zur Generierung von Content-Ideen. Daneben nutze ich sie auch für komplexere Themen, etwa um Voraussagen für Sales treffen zu können oder um zu eruieren, wo noch Potenziale bestehen.

 

Wurden Sie dazu intern geschult?

Ja. Schulung und Weiterbildung sind wichtige Aspekte, damit wir die Tools teamübergreifend bestmöglich einsetzen können. Diese Trainings passieren laufend, unter anderem mt einem Programm, das jeden Tag kleinere KI Aufgaben an die Mitarbeitenden per E-Mail schickt.

 

Nutzen Sie KI auch privat?

Ich nutze KI zwar primär bei der Arbeit, aber immer häufiger auch im Privaten. Derzeit etwa für Rezepte oder die Reiseplanung. Die Hotelsuche kann man mit einer KI-Anwendung viel effizienter und individueller eingrenzen als über eine Suchmaschine. Dafür gilt es erst, genau zu «prompten» und danach wiederum anzupassen, beziehungsweise die Ergebnisse durch Rückfragen auf meine Bedürfnisse zu optimieren.

 

Sind Schweizer allgemein KI-affin?

Sehr! Was die Business-Anwendungen betrifft, geschieht die Adaption schnell. Bereits 82 Prozent der Wissensarbeitenden in der Schweiz nutzen KI. Weltweit liegen wir damit deutlich über dem Durchschnitt und gehören zur Spitzengruppe, vergleichbar mit nordischen Ländern oder Japan. Und zwar in KMU wie auch in Grossunternehmen. Diese Nachfrage spiegelt sich auch in den Anfragen aus Unternehmen wider, die auf ein fortgeschrittenes Verständnis zurückschliessen lassen. Da die Schweiz im Innovation Index zum wiederholten Male an der Weltspitze liegt, ist dies für mich eine logische Entwicklung.

 

Dennoch gibt es auch Vorbehalte gegenüber KI-Tools. Was antworten Sie auf entsprechende Fragen?

Unsere Arbeit bei der Entwicklung basiert auf den sechs grundlegenden Prinzipien verantwortungsvoller KI: Fairness, Zuverlässigkeit und Schutz, Datenschutz und Sicherheit, Inklusivität, Transparenz und Verantwortlichkeit. Dazu zählt auch, dass wir beispielsweise beim Copilot die Daten der Unternehmen nicht für das Training unserer KI-Sprachmodelle benutzen. Wir sind der Überzeugung, dass Kunden ihre eigenen Daten besitzen, und darauf, dass wir sicherstellen, dass jedes Produkt oder jede Dienstleistung, die wir anbieten, von Grund auf mit Datenschutz erstellt wird. 

 

Bedenken bleiben trotzdem.

Das unterstreicht die Wichtigkeit bei diesem Thema. Bei neuen Technologien gab es zu Beginn bisher immer Bedenken, langfristig haben sich die Vorteile davon aber immer durchgesetzt.

 

Oft wird aber bemängelt, dass ein Datenausverkauf in Richtung USA stattfindet, auch wenn sie auf Clouds auf Schweizer Servern lagern. Momentan ist das nicht unbedingt ein beruhigender Gedanke. Wie sicher ist es, dass unsere Daten auch hier bleiben?

Der Grund für unsere Investitionen in Schweizer Rechenzentren ist der Wunsch der Kunden, dass ihre Daten in der Schweiz bleiben. Daher ist dies jeweils Vertragsbestandteil. Darüberhinaus gibt es die EU-Datengrenze für die Microsoft Cloud, wonach Kundendaten in der EU beziehungsweise in der europäischen Freihandelszone gespeichert und verarbeitet werden, Ich möchte dabei aber darauf hinweisen, dass ein Teil der Verantwortung auch bei den Kunden liegt. Wenn ein Unternehmen KI einsetzen will, sollten Sicherheits- und Datenschutzaspekte bereits implementiert sein. Was ist erlaubt, was nicht? Wer greift intern auf welche Daten und Applikationen zu?

 

Dennoch: den Clouds werden sensible Daten anvertraut. Und wenn es hart auf hart kommt, hat Microsoft auch weltweit Zugriff. Alles andere zu glauben wäre naiv.

Microsoft setzt sich intensiv für den Datenschutz seiner Kunden sowie für die Wahrung ihrer Privatsphäre ein. Wir haben dazu umfangreiche Massnahmen getroffen, und wir geben Kundendaten nur dann weiter, wenn wir gesetzlich dazu verpflichtet sind. Am Ende geht es um Vertrauen. Mehrere Grossbanken und der öffentliche Bereich setzen auf unsere Clouds.

 

Das hat seinen Preis. Warum soll ein KMU-Chef nicht auf eine günstige Open-Source-Lösung zurückgreifen?

Für einige Cases können solche Lösungen sicher gut funktionieren. Doch gerade für kleinere Firmen wird es schwierig und sehr aufwendig, massgeschneiderte Anwendungen auf Basis von Open-Source-KI zu lancieren. In erster Linie geht es aber um die Cybersecurity. Angriffe werden raffinierter und nehmen zu, die Zahl der Cyberangriffe hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Unsere Kunden schätzen unsere hohen Sicherheitsvorkehrungen. Das Zweite ist die Verfügbarkeit, die bei uns sehr hoch ist.

 

Was kann KI eigentlich noch nicht, oder nicht gut?

Bei den «Agents» stehen viele Unternehmen noch am Anfang. Das sind Anwendungen, die einzelne Aufgaben für uns autonom erledigen, dabei auch eigenständig Entscheidungen treffen so weit wir es ihnen erlauben. Wir kennen diese etwa als Chatbots auf Websites, die uns einfache Fragen beantworten. Wie kann man diese so ausbauen, damit sie eine echte Bereicherung sind für die Kunden? Hier wird noch eine grosse Entwicklung stattfinden.

 

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